Waldmeister – König des Waldbodens

Waldmeister – König des Waldbodens

Zwischen Brenneseln, Girsch und Taubnesseln, unter riesigen Weißtannen, Rotbuchen und beeindruckenden Erlen: da ist eines der aller beliebtesten Frühlingskräuter zu Hause. Klein, unscheinbar und doch von unfassbarer Strahlkraft. Der Waldmeister. Vegetativ betrachtet gehört er zu den Labkräutern und ist in unseren Breitengraden weit verbreitet. Man sagt dem guten Waldmeister nach, er wirke sich positiv auf Leber, Gefäße, Niere aus und sei gegen Kopfschmerzen und Migräne gut. Wenn es um gesundheitliche Aspekte jedoch gehen soll empfehle ich die Apothekenrundschau. Denn Fakten hin oder her: Reden wir lieber über diesen einmaligen Geschmack und den Duft, der wie kein anderer fast schon als Platzhalter für den Monat Mai dienen könnte.


Sirup-Rezept:

1kg Zucker
1l Wasser
1Bd Waldmeister
1/2 Zitrone in Scheiben


1 Tag welken lassen, 1 Tag im Zucker ruhen lassen. Fertig.


Da werden doch tatsächlich Kindheitserinnerungen wach. Eingebrannt, wie das erste Mal Fahrradfahren: auf dem Küchenschrank meiner Großeltern standen im Frühjahr diese handbeschrifteten Bügelflaschen auf dem Küchenschrank, mit dieser fast neongrünen und leuchtenden Flüssigkeit. Ich bin mir sicher, dass sie – unerreichbar für uns Kinder -mit Absicht kurz vor dem Besuch dort platziert wurden… Später wurde allerdings aus der Limonade Bowle, ganz viel später (im Wahnsinn des Erwachsenwerdens) eine mit hochprozentigem Schnaps und besagtem Sirup gefüllte Wassermelone. Aber dieses Erlebnis werde ich aus Gründen jetzt nicht weiter ausbauen.

Anleitung

Tag 1: Den Waldmeister am Besten über dem Wurzelansatz abschneiden. Für die Folgejahre macht es übrigens Sinn, nicht die große Sense auszupacken, sondern einen Teil stehen zu lassen, damit er sich über das Wurzelgeflecht vermehren kann.

Kurz abbrausen. Der Waldmeister ist ein geselliger Zeitgenosse und wir von vielen niedlichen kleinen Freunden mitbesiedelt.

Danach auf Küchenpapier 24 Stunden welken lassen. Diese einfache Maßnahme wird die Aromenintensität des Sirups deutlich erhöhen.

Tag 2: Einen einfachen Zuckersirup kochen, die Zitronen darin baden und leicht abkühlen lassen. Danach den Waldmeister hinzugeben und abgedeckt im Kühlschrank 24 Stunden ziehen lassen.

Tag 3: Den nun aromatisierten Sirup durch ein Küchentuch passieren. Gläser oder Flaschen auskochen, Sirup sprudelnd aufkochen und in zwei Schritten in die Gläser füllen (die zwei Schritte sind nötig, damit das Glas bei der enormen Hitze springt). Sofort verschließen, damit er haltbar bleibt. Fertig. Klingt gut? Dann aufauf (!) raus in den Wald, denn vom alleinigen Lesen wird man nicht glücklich.

Was wir damit tun.

Um an dieser Stelle besonders ehrlich zu sein, können wir uns derzeit gar nicht entscheiden, was wir mit unserem Waldmeister tun, weil wir gleich wieder hundert Ideen haben. Das entscheiden wir in der Küche, wenn es dann soweit ist. Wir könnten ein Eis kreiieren? Mit Erdbeeren? Klassiker. Oder mit dem besonders reifen Rhabarber? Gleichfalls ein Klassiker.

Oder zusammen mit einem dunklen Schokoladensorbet? Jetzt wirds spannend. Das bringt uns auf die Idee, den Waldmeister mit einem Schokoladenkuchen zu kombinieren: Wie wäre es mit einer Überzugsganache auf Basis von Joghurt, Waldmeister und weißer Schokolade? Yeah cool! Kurz nachdenken: Und was wäre, wenn wir ein weißes Schokoladeneis mit diesem typisch feinen Waldmeisteraroma parfumieren? Und Sauerkirschmarmelade dabei einstrudeln? [Gedankenpause.] Gestern haben wir Rotebeetesalat gegessen. Passt das? Ein karamellisietes Milcheis mit einer einquirlten Rotebeete-Kranbeere-Waldmeistermarmelade? Heavy Metal! 

ab nach ganz oben!